01 In diesem Kapitel schauen wir uns übliche Formen von Darlehen an. 02 Zunächst eine Unterscheidung der Begriffe Kredit und Darlehen. Kredite können bereits für kleinere Beträge aufgenommen werden, viele Banken vergeben Kleinkredite bereits ab eintausend Euro. Kredite haben typischerweise eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren, ein Darlehen kann dagegen auch über Jahrzehnte laufen. Dagegen bezieht sich ein Darlehen in der Regel auf höhere Summen. Darlehen werden von den Banken mit Laufzeiten von zehn bis vierzig Jahren angeboten. Beispiele dafür sind langfristige Darlehen zur Immobilienfinanzierung oder zur Unternehmensgründung. Kredite werden in einem separaten Video behandelt; der Link dazu befindet sich in dieser Videobeschreibung. 03 Die Zinsen von Darlehen sind in der Regel niedriger als für Kredite. Hier wirken sich zum einen die im Vergleich zu Krediten in der Regel höheren Darlehenssummen aus. Zum anderen können Darlehensnehmer die durch das Darlehen finanzierten Gegenstände als Kreditsicherheit hinterlegen, sodass die Banken in der Lage sind, die Zinsen niedriger zu halten. Sicherheiten können zwar auch bei Krediten von Bedeutung sein; die meisten Kredite werden jedoch ausschließlich aufgrund der Bonität des Kreditnehmers vergeben. Ein weiterer Unterschied zwischen Kredit und Darlehen betrifft unterschiedliche Gestaltungen der Rückzahlung und generellen Zinsfestlegung. 04 Ein erstes Beispiel für ein Darlehen ist die Baufinanzierung. Bei Finanzierungen von Häusern und/oder Eigentumswohnungen erfolgt die Sicherungsübereignung ähnlich wie bei einem Pkw-Kredit. Die Geldsummen sind dabei aber in der Regel wesentlich höher. Dabei wird für die Bank eine Hypothek oder eine Grundschuld im Grundbuch der Immobilie eingetragen. Eine Grundschuld bietet der Bank eine schnellere Zwangsvollstreckung. Sie ist unabhängig von einem konkreten Darlehen, so dass gegebenenfalls später ein weiteres Darlehen ohne eine Anpassung des Grundbuchs bei dieser Bank aufgenommen werden kann, wenn die Summe im Grundbuch groß genug ist. Bei einer Baufinanzierung sind Laufzeiten bis zu dreißig Jahren, oft mit festen Zinsen für zehn Jahre üblich. Nach Ablauf der Zinsbindung kann eine neue Finanzierung zu aktuellen Marktzinsen abgeschlossen werden. Möglichkeiten sind Umschuldung oder Fortführung beim gleichen Kreditinstitut. 05 Das am häufigsten verwendete Darlehen zur Baufinanzierung ist das Annuitätendarlehen, bei dem die monatlichen Raten über die gesamte Laufzeit gleich bleiben. Die Raten setzen sich aus Zins- und Tilgungsanteilen zusammen, wobei der Zinsanteil im Laufe der Zeit sinkt und der Tilgungsanteil steigt. Das Volltilgerdarlehen ist ein Annuitätendarlehen, das innerhalb der Zinsbindungsfrist vollständig zurückgezahlt wird. Dies bedeutet höhere monatliche Raten, aber keine Restschuld nach dem Ablauf der Zinsbindung. 06 Das Forward-Darlehen ist ein Darlehen, das bereits Jahre vor Ablauf der aktuellen Zinsbindung abgeschlossen wird, um sich günstige Zinsen für die Zukunft zu sichern. KfW-Darlehen sind staatlich geförderte Darlehen der KfW-Bank, die besonders günstige Konditionen und flexible Tilgungsmodalitäten bieten. Oft ist dies kombiniert mit weiteren Förderprogrammen, beispielsweise zur Energieeffizienz. 07 Kommen wir zu wichtigen Finanzierungsbausteinen der Baufinanzierung. Da ist zunächst das Eigenkapital. Das ist der Anteil der Baufinanzierung, der durch eigenes Vermögen gedeckt wird. Je höher das Eigenkapital, desto niedriger das Risiko und die Zinsen. Das Hypothekendarlehen ist der Teil der Finanzierung, der durch ein Darlehen der Bank gedeckt wird. Das Darlehen wird durch eine Hypothek auf die Immobilie gesichert, meist durch die Eintragung der Grundschuld ins Grundbuch. Eigenleistungen sind selbst erbrachte Bauleistungen. Sie können als Eigenkapital anerkannt werden und die benötigte Darlehenssumme reduzieren. Viele Käufer überschätzen aber leider ihre Eigenleistungen sehr stark, beispielsweise bei Renovierungen oder gar Sarnierungen. 08 Nun noch etwas zur Rückzahlung und Tilgung der Baufinanzierung. Die Tilgungsrate ist der Teil der monatlichen Rate, der zur Rückzahlung des Darlehens verwendet wird. Üblich sind Anfangstilgungen von ein bis drei Prozent. Je mehr da möglich ist, desto besser. Viele Baufinanzierungen erlauben jährliche Sondertilgungen ohne zusätzliche Kosten, um die Darlehenslaufzeit zu verkürzen und Zinskosten zu sparen. Das macht nur dann Sinn, wenn die Zinsen Ihrer Baufinanzierung wesentlich höher sind als beispielsweise die Zinsen im Tagesgeld. Ansonsten können Sie das Geld einfach diszipliniert im Tagesgeld liegen lassen, erhalten dort höhere Zinsen und haben noch einen weiteren Notgroschen für Notfälle. In einigen Fällen kann die Tilgung für eine gewisse Zeit ausgesetzt werden, zum Beispiel bei finanziellen Engpässen. Gehen Sie bitte immer rechtzeitig zur Bank und nicht erst dann, wenn es zu spät ist! 09 Die Vorteile einer Baufinanzierung sind die niedrigen Zinsen im Vergleich zu Konsumentenkrediten und die Möglichkeit zur Nutzung staatlicher Förderungen, zum Beispiel per KfW-Darlehen. Nachteile sind die hohe Verschuldung über einen langen Zeitraum sowie Vorfälligkeitsentschädigungen bei einer vorzeitigen Rückzahlung. Dies geschieht beispielsweise, wenn sie nach einigen Jahren aus privaten oder beruflichen Gründen umziehen müssen. 10 Als zweites Beispiel für ein Darlehen schauen wir uns einen Studienkredit an. Obwohl es im Sprachgebrauch ein Kredit ist, ist es in Wirklichkeit ein spezielles Darlehen, das dazu dient, Studiengebühren und Lebenshaltungskosten während des mehrjährigen Studiums zu finanzieren. Studienkredite werden in der Regel von Banken, staatlichen Institutionen oder speziellen Bildungskreditinstituten angeboten. Die Rückzahlung beginnt meist nach dem Ende des Studiums, oft nach einer tilgungsfreien Phase. 11 Der Tilgungsbeginn startet meist sechs bis achtzehn Monate nach Studienabschluss. Als Rückzahlungsmodalitäten gibt es meist festgelegte monatliche Raten, oft angepasst an das Einkommen des Absolventen. Es gibt oft die Möglichkeit zur Sondertilgung oder zur vorzeitigen Rückzahlung, beispielsweise bei einer Erbschaft. Oft werden flexible Tilgungspläne angeboten, die an das individuelle Einkommen angepasst werden können. 12 Vor Abschluss eines Studienkredits sollte der genaue Bedarf ermittelt werden, um eine Überfinanzierung und damit unnötige Zinskosten zu vermeiden. Es ist ratsam, sich vor Abschluss eines Studienkredits umfassend beraten zu lassen, um die besten Konditionen und das passendste Angebot zu finden. Berücksichtigen Sie, wie sich der Kredit auf die finanzielle Situation nach dem Studium auswirkt und wie die Rückzahlung in das zukünftige Leben und Einkommen passt. 13 Die Vorteile eines Studienkredits bestehen darin, dass sich die Studenten auf ihr Studium konzentrieren können, ohne sich ständig um ihre finanzielle Situation sorgen zu müssen. Viele Studienkredite bieten flexible Rückzahlungspläne an, die an das zukünftige Einkommen des Absolventen angepasst werden können. Studienkredite haben oft günstigere Konditionen als normale Verbraucherkredite. Während des Studiums und oft auch in den ersten Jahren danach müssen keine Tilgungen erfolgen, was eine finanzielle Entlastung darstellt. 14 Auch wenn die Rückzahlung erst nach dem Studium beginnt, handelt es sich als Nachteil natürlich um eine langfristige Verpflichtung, die zehn Jahre oder länger andauern kann. Über die Jahre können die Zinsen die Gesamtkosten des Kredits erheblich erhöhen. Wenn die berufliche Karriere nicht wie geplant verläuft, kann die Rückzahlung des Kredits zur Belastung werden. In diesem Kapitel schauen wir uns übliche Formen von Darlehen an: https://www.youtube.com/watch?v=bx71OmmK6h8 #Darlehen #Kredit #Baufinanzierung #Forward #Rückzahlung #Tilgung #Zinsen #Konsumentenkredit #Studienkredit #Sondertilgung #lehrvideo